Eine Analyse der Stadt Offenburg zeigt, wie stark sich das Klima verändert hat: Seit 1958 ist die Jahresmitteltemperatur um 3,3 Grad Celsius gestiegen. Die Zahl der Sommertage mit mehr als 25 Grad hat sich von 40 auf über 80 Tage pro Jahr verdoppelt. Die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad stieg von 30 auf 50. Auch Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, treten zunehmend auf.
Unter diesen Veränderungen leiden besonders schutzbedürftige Menschen. Bei Menschen mit mehrfachen Behinderungen können sich die Folgen der Klimakrise besonders stark auswirken. Am Standort „Im Seewinkel“ heizen sich die Räume im Sommer, insbesondere bei Sonnenschein, stark auf.
Naturbasierte Maßnahmen gegen Hitze
Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme sowie Betroffenheits-, Klimawirkungs- und Risikoanalysen wurde ein Anpassungsplan entwickelt. Dieser sieht eine Dachbegrünung und die Pflanzung von Hecken vor. Auf rein technische Lösungen wird im Sinne der Förderrichtlinie bewusst verzichtet.
Die Begrünung reflektiert Sonnenlicht und verschattet Dach und Fassade. Dadurch heizt sich das Gebäude weniger stark auf. Über die Verdunstung der Pflanzen entsteht außerdem frische, kühlere Luft. Weitere Vorteile sind die Minderung von Lärm, die Umwandlung von CO₂ in Sauerstoff und der Rückhalt von Regenwasser. Gleichzeitig entstehen Kleinbiotope und Flächen werden entsiegelt.
Wissen und Schutz stärken
Der Werkstattrat wird in das Projekt einbezogen. Im Rahmen der Vollversammlung werden alle Mitarbeitenden für klimabedingte Belastungen sensibilisiert, geschult und weitergebildet. Die Maßnahmen sollen Hitzebelastungen sowie daraus entstehende Regulations- und Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und Erschöpfung verringern.
Förderung von 90 Prozent bewilligt
Das Projekt wird über die Förderrichtlinie „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ (AnpaSo) gefördert. Der Förderschwerpunkt „Umsetzung von vorbildhaften Maßnahmen zur Anpassung an die Klimakrise auf Grundlage von Konzepten“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH organisiert und unterstützt das Gesamtprojekt auf Bundesebene.
Der Förderantrag für den Offenburger Standort „Im Seewinkel“ der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch-Lahr wurde bewilligt. 90 Prozent der Gesamtausgaben werden übernommen.
Mit diesem Leuchtturmprojekt möchte die Lebenshilfe auch andere regionale und überregionale Institutionen sowie Interessierte dazu anregen, besonders gefährdete Menschen bei der Bewältigung der Klimakrise zu unterstützen und vergleichbare Maßnahmen mithilfe der Förderrichtlinie AnpaSo umzusetzen.